Fünf Milliarden Euro jährlich!
- Von Dr. Nicole Munk -
Eine
umfassende Privatisierung würde die öffentlichen Haushaltskassen um
Milliarden-Euro-Summen entlasten. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) wurden
öffentliche Dienstleister mit Privatunternehmen verglichen und die
Ergebnisse durchgeführter Privatisierungen untersucht - von der
Kinderkrippe bis zum Friedhof, von der Privatschule bis zum privaten
Schwimmbad. Die Ergebnisse waren beeindruckend und eindeutig. Überall
dort, wo der private Unternehmer, insbesondere der typische deutsche
Mittelständler, Dienstleistungen im Auftrage staatlicher Stellen
erbringt, sparen nicht nur die Steuerzahler enorme Summen, sondern die
Qualität ist ebenfalls in den allermeisten Fällen höher. Der Grund
hierfür ist einfach: Der private Unternehmer bietet zu günstigeren
Preisen die bessere Qualität, weil er Fehlentscheidungen im Unternehmen
sofort am eigenen Geldbeutel spürt: Das Prinzip der sofortigen, selbst
fühlbaren Verantwortung für den Kostenapparat, die Umsätze und die
Gewinne. Und - last but not least - das Interesse an zufriedenen Kunden.
Die in der Studie genannten Beispiele lassen
erahnen, wie viele Steuermilliarden in schlecht
geführten Kommunalbetrieben versickern:
In
Deutschland sind noch etwa 8.000 kommunale Schwimmbäder in Betrieb. Sie
"erwirtschaften" jedes Jahr ca. 5 Milliarden Euro Verlust. Dies ist
genau diejenige Summe, die mit Hilfe der von rückständigen politischen
Kräften geforderten Ausweitung der Gewerbesteuer und der damit
verbundenen weiteren finanziellen Belastung der Betriebe und
Unternehmen in die Kassen der Kommunen gelangen sollte. Wenn die Privatisierung und Sanierung der deutschen Kommunalbetriebe
erfolgreich durchgeführt würde, könnte die Gewerbesteuer völlig
abgeschafft werden, ohne dass es zu Fehlbeträgen in den kommunalen
Haushalten käme. Im Sinne einer wirkungsvollen Insolvenzprophylaxe, die
sich die deutsche Volkswirtschaft aufbauen muss, würde damit eine
breite steuerliche Entlastung der Betriebe erreicht.
Der staatliche Schulbau ist bis zu zehnmal
so teuer wie der private Schulbau.
Manche
Zahlen aus der ASU-Studie können einen fassungslos machen: Dass die
öffentlichen Betriebe teilweise doppelt oder dreimal so teuer sind wie
private Anbieter aus dem Mittelstand, daran hat man sich in Deutschland
irgendwie gewöhnt. Aber dass derselbe Schulbau in Deutschland zehn Mal
so teuer ist, wenn der Bau im Auftrag und unter der Überwachung der
Staatsbehörden erfolgt, wie der Bau einer technisch völlig
vergleichbaren Privatschule, muss mehr als nachdenklich stimmen. Die
Bürger müssen deshalb bei den Politikern einfordern: Mehr
Privatisierung bei allen öffentlichen Betrieben, die zu Kostgängern des
deutschen Steuerzahlers geworden sind. Damit wird zwar der eine oder
andere Posten wegfallen, der durch die Parteibuchdemokratie geschaffen
worden ist, aber viele Mittelständler, die in unserer Volkswirtschaft
anscheinend ausrangiert werden sollen, kommen wieder zu
Führungsaufgaben und dadurch auf Dauer mehr Arbeitnehmer in Brot und
Arbeit. Denn die Studie der ASU hat gezeigt: Nach einer gelungenen
Sanierung kommt die Zukunftsinvestition: Die privatisierten Betriebe
konnten in vielen Fällen aus eigener Kraft in Qualität und Quantität
wachsen. Von den kommunalen Betrieben in Deutschland kann dies kaum
einer ernsthaft von sich behaupten.
Die Prozentaufschläge der kommunalen Betriebe:
Mit Abstand am teuersten!
Bei
den Inkassodiensten ist der Staat als Unternehmer bis zu 200 % teurer
als vergleichbare Private; bei der Wasserversorgung beträgt der
Aufschlag bei den kommunalen Betrieben gegenüber privaten Anbietern bis
zu 170 %. Der öffentliche Nahverkehr ist, wenn er in Eigenregie der
Kommunen ausgeführt wird, bis zu 160 % teurer als bei der Tätigkeit so
genannter beliehener Unternehmer. Auch die Kosten der
Waldbewirtschaftung liegen bei staatlicher Bewirtschaftung bis zu 100 %
über den Kosten einer privaten Waldbewirtschaftung. Bei den Fluglinien
beträgt der Überteuerungsfaktor ebenfalls 100 %, bei den
Gebäudereinigungen bis zu 90 %, bei der Feuerwehr bis zu 90 %, bei der
Müllabfuhr bis zu 60 %, bei den Bauleistungen bis zu 60 % und bei der
Wettervorhersage bis zu 50 %. Für eine punktuelle Sanierung und
Effektivierung bleibt Deutschland keine Zeit mehr.
Der Wirtschaftsaufschwung hängt an der
persönlichen Leistungsbereitschaft und
dem Prinzip unmittelbarer Verantwortung.
Auch
die Führer der so genannten "Deutschland AG" stehen unter dem
Bewährungsgedanken, dass Erfolg und Unternehmensergebnisse messbar und
vergleichbar gemacht werden. Ähnlich wie bei den kommunalen Betrieben
steht es hier nicht zum Besten; und das Volk weiß das auch. Immer
häufiger werden die Vorstandsgehälter bei großen Aktiengesellschaften
als maßlos kritisiert. Hier kündigt sich ein wesensverwandter Umbruch
an. Die Entwicklung der Vorstandsgehälter bei deutschen und
europäischen Konzernen hat zu der Frage geführt, ob Deutschlands oder
Europas Konzernlenker überbezahlt sind. Die Antwort lautet: Eindeutig
ja. In erschreckender Weise bricht ein Missverhältnis zwischen
Dotierung und Erfolg auf. In der Wirtschaftspresse tauchen immer nur
diejenigen Fälle eines tatsächlichen oder angeblichen "Abkassierens"
auf und erregt sich Volkes Zorn in Anbetracht des für den Normalbürger
ständig wachsenden Arbeitsplatzrisikos und der gegenläufigen explosiven
Entwicklung von Vorstandsbezügen in den Großunternehmen - bei sinkenden
Aktienkursen und rückläufigen Marktkapitalisierungen.
Die Geldverknappung in der Bundesrepublik
Deutschland ist keine Naturkatastrophe, sondern
Folge einer bodenlosen Geldverschwendung.
Doch
wie sieht es bei den großen Konzernen in Deutschland aus? Ist dort
alles in Ordnung? Mitnichten. Ineffektivität und Geldverschwendung
finden dort genau so wie in den staatlichen Unternehmen statt. So
belaufen sich die Bezüge des Vorstandsvorsitzenden der DaimlerChrysler
AG, Jürgen Schrempp, im Jahre 2002 auf ca. 10,82 Mio. Euro, obwohl die
Wertschöpfung des Unternehmens nach Eigenkapitalkosten um 47,75 %
zurückgegangen ist. Vorstandsvorsitzender Henning Kagermann von der
SAP, Mörfelden-Walldorf, bezog 7,5 Mio. Euro Jahresgehalt, aber die
Wertschöpfung seines Arbeitgebers war nach Eigenkapitalkosten um
59,6 % rückläufig. Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bank Gruppe,
Josef Ackermann, bezog jährlich 6,95 Mio. Euro bei einer um 51,1
% rückläufigen Wertschöpfung nach Eigenkapitalkosten. Bei dem
Vorstandsvorsitzendem der Siemens AG, Heinrich von Pierer, fielen 3,11
Mio. Euro Gehalt an. Doch auch hier ging die Wertschöpfung nach
Eigenkapitalkosten um 56,6 % zurück. Deutschland kann sich solche
Vorstände ebenso nicht mehr leisten wie zehntausende von
Staatsbetrieben, die am Tropf des deutschen Steuerzahlers hängen.
Hans Eichel erwägt, bis zu 426 Unternehmensbeteiligungen zu verkaufen
Auch
das Bundesfinanzministerium denkt darüber nach, das "Tafelsilber des
Bundes" zu verkaufen. Doch was versteckt sich hinter dieser
Redewendung? Diese Entscheidung wurde nicht ganz freiwillig getroffen:
Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, müssen die geplanten
Steuersenkungen vorgezogen werden. Finanziert werden soll das durch
Beteiligungsverkäufe. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Im
Gegenteil bietet sich auch hier die Chance einer Sanierung hunderter
von Unternehmen durch Privatisierung. Deutschland braucht deshalb auf
Bundes- und Länderebene Privatisierungs- und Sanierungsbehörden,
die diese betriebswirtschaftlichen Abläufe planen und durchführen.
Diese Privatisierung hätte gleichzeitig den positiven Effekt eines
einschneidenden Abbaus der übertriebenen Personalstärken in den
öffentlichen Verwaltungen und Kommunalbetrieben zur Folge. Stattdessen
würden unter Führung des deutschen Mittelstandes schlagkräftige
kleinere und mittlere Betriebseinheiten entstehen (zwischen 50 und 250
Mitarbeitern), die in der gesamtvolkswirtschaftlichen Betriebsrechnung
der sog. "Deutschland AG" ein jährliches Einsparungspotential von
mehreren hundert
Milliarden Euro auslösen würden. Für die Volkswirtschaft der
Bundesrepublik Deutschland würde sich hieraus eine Booster-Schubkraft
ergeben, die es nach Einführung der Deutschen Mark im Jahre 1948
und seit den Römischen EWG-Verträgen im Jahre 1957 seither nicht mehr
gegeben hat. Betrachtet man, wie US-Investoren ganze U-Bahn-Systeme
in deutschen Großstädten (Frankfurt am Main/Nürnberg) übernehmen,
drängt sich der Vergleich mit diversen Übernahmeprozessen anlässlich
der deutschen Einheit auf. Nur eine breit gefächerte, tief greifende
Privatisierungswelle, die Deutschland noch eine begrenzte Zeit selbst
steuern kann, wird uns vor der Gefahr einer letalen Staatsinsolvenz
oder einem Ausverkauf unserer Unternehmen bewahren.
Die auf diese Weise freigesetzten Finanzmittel
würden den Weg zu einem zweiten deutschen
Wirtschaftswunder ebnen.
Unsere
Politiker müssten endlich begreifen: Die für die Zukunftsinvestitionen
in Deutschland benötigten dreistelligen Milliardensummen lassen sich
auf keine andere Weise aufbringen. Deutschland hat keine echte andere
Alternative.
Mit der Privatisierung von Staatsbetrieben
muss sofort begonnen werden.
Erforderlich
ist deshalb, dass der Bundesfinanzminister das so genannte "Tafelsilber
des Bundes" sofort verkauft, weil es sich dabei nämlich nicht um echtes
"Tafelsilber", sondern um ca. 426 Industriebeteiligungen handelt, deren
Gegenwert auf der Einnahmenseite des Bundes dringend benötigt wird, um
die Überschuldung der kommenden Bundeshaushalte zu begradigen und
insbesondere die so genannte Nettokreditaufnahme in den nächsten Jahren
so zu begrenzen, dass die Einhaltung des Art. 115 Abs. 1 GG sowie der
Stabilitätskriterien des Euro-Stabilitätspaktes von Maastricht möglich
gemacht werden. Aber das ist nicht das einzige Argument für diese Maßnahme.
Unternehmen und Betriebe sind eben kein Tafelsilber. Der Wert von
Unternehmen und Betrieben hängt von deren Aktivvermögen und der
Gewinnträchtigkeit ab. Solche Unternehmen, die nur mit Bundes-, Landes-
oder Kommunalzuschüssen lebensfähig gehalten werden können, sind kein
Tafelsilber, sondern unnötiger Ballast.
Es bedarf einer neuen Fachkompetenz
für Privatisierung, Sanierung und
Zukunftsinvestitionen.
Gleichzeitig
müssen Deutschlands Hochschulen und seine wissenschaftlichen
Forschungsinstitute die Aufgabe übernehmen, die Privatisierung auf
allen erforderlichen Ebenen faktisch durchzuziehen. Die großen
deutschen Universitäten müssten spezielle Lehrstühle gründen, um auf
allen Wissensgebieten die individuelle Beratung von Regierungen,
Oberbürgermeistern, Vorständen usw. sicherzustellen. Gleichzeitig soll
der Beruf des Unternehmenssanierers zu einem gefestigten Berufsbild mit
hohem Ausbildungs- und Qualitätsniveau entwickelt werden, mit
weitreichenden Spezialkenntnissen auf den Gebieten des Handels- und
Wirtschaftsrechts, des Insolvenz- und Sanierungsrechts, der
Betriebswirtschaft, des Cashflow Management der Betriebe, der
Frühwarnsysteme gegen Liquiditätsschwächen und
Insolvenzgefahrenpotentiale, der Kapitalbeschaffung und der
Kreditwirtschaft, der gewerblichen Schutzrechte und des
Vertriebsrechtes, der Personalführung, der Mitarbeiterqualifizierung
u.a..
Dieses
Wissen muss nur endlich aktiviert werden, um eine Initialzündung
auszulösen. So kann die sog. "Deutsche Strukturschwäche" überwunden
werden. Nur so ginge der von Altbundespräsident Roman Herzog seit
nunmehr langen und ergebnislosen sieben Jahren geforderte Ruck durch
das Land und es wären binnen Jahresfrist alle Rezessions- und
Deflationstendenzen beseitigt.
Mit
dieser Konzeption bliebe die Verteidigung des Wohlstandes für alle
nicht nur eine Vision oder eine Reminiszenz an Ludwig Erhard. Der Weg
zu einem "zweiten deutschen Wirtschaftswunder" wäre vielmehr frei und
der Ausbau des Wohlstandes für alle wieder möglich.
Erschienen in der Sz BN am 27.06.2003