|
Nun haben wir es also schriftlich: Alte Menschen, die
langsam ins Dunkel der Demenz gleiten, die im Tunnel der Trauer verharren, die im Sog einer Suchtkrankheit stecken – sie werden
nicht ausreichend versorgt in den Frankfurter Pflegeheimen, Kliniken
und von ambulanten Diensten. Am Beispiel einer Stadt in Hessen wiegt die
unverhohlene Kritik des neuen städtischen Gutachtens umso schwerer, als
sich die Stadt damit auch selbst beschuldigt. Schließlich führt sie
mehrere Heime, schließlich gehört ihr das örtliche Krankenhaus,
schließlich untersteht ihr die zentrale Altenberatungsstelle.
Zugleich aber sind die drei Behörden, die den Bericht
erstellt haben, auch mächtige Soziallobbyisten, deren Ziel es ist, die
Versorgung der psychisch kranken und alten Menschen deutlich zu verbessern.
Und deshalb stellen Gesundheitsamt, Sozialamt und das
Krankenhausreferat Maximalforderungen, wohl wissend, dass diese nicht
alle erfüllt werden können. Dennoch ist diese Herangehensweise richtig
gewesen, weil nur so ein umfassendes und schlüssiges Konzept erarbeitet
werden konnte. Nun ist die Marschroute klar, nun müssen Politik und
Kostenträger sagen, wie weit sie gehen wollen, sprich, wie viel sie für
eine optimale Versorgung der alten Menschen auszugeben bereit sind. Der
Gemeinderat jedenfalls sollte sich umgehend mit dem Bericht befassen.
Und vieles ist ja bereits erreicht worden; die
Situation in Hessen ist keineswegs katastrophal. Dennoch sind einige
Maßnahmen unumgänglich und im Grunde ist es ein Skandal, dass deren
Verwirklichung immer noch eingefordert werden muss. Dazu gehört vor
allem eine verbesserte Betreuung der verwirrten Menschen in den Heimen.
Die Pflegerinnen tun zwar ihr Menschenmögliches, doch sie brauchen eben
auch eine gute Schulung. Ihnen müssen spezielle Pflegekonzepte an
die Hand gegeben werden. Auch eine gute fachärztliche Behandlung der
Bewohner sollte selbstverständlich sein.
Klug und richtig ist der Ansatz, alle bestehenden
Angebote zu vernetzen, weil die kranken Menschen auf diese Weise
schnellere und kompetentere Hilfe erhalten. Auf dem Weg dorthin sind
aber noch viele Hürden zu nehmen. Das Ziel der Autoren, diese
Vernetzung innerhalb von zwei Jahren zu schaffen, ist ehrgeizig und
kaum zu schaffen.
Größtes Hemmnis wird das fehlende Geld sein. Doch ein
Ausweg könnte darin liegen, verstärkt Angehörige und Ehrenamtliche in die
Betreuung der alten Menschen einzubinden. Beispielhaft ist hier die
aufopferungsvolle Arbeit der „Grünen Damen Wetterau“. Ich meine, warum
eigentlich sollen sich Angehörige in den Pflegeheimen nicht engagieren,
und warum sollen sich Freiwillige nicht in Betreuungsgruppen
einbringen? In Bad Nauheim, Friedberg und anderswo wird vorgelebt, dass
dieser Weg gangbar ist. Hand in Hand – das sind wir den alten Menschen
schuldig.
Erschienen in der Sz BN am 15.06.2001 |